Steuersatz

Steuersätze in Deutschland, Österreich und der SchweizBei der Vielzahl unterschiedlicher Steuersätze, gerade auch in Deutschland, fällt es vielen Menschen seit Jahren schwer den Überblick zu behalten. Gleiches gilt auch für Österreich und die Schweiz. Lesen Sie hier, wie Ihr ganz persönlicher Steuersatz errechnet wird und wovon dieser im Detail abhängt.

1. Deutschland: Komplexes und verwirrendes Steuersystem

In Deutschland richtet sich der Steuersatz nach dem zu versteuernden Einkommen der jeweiligen Person. Je höher das Einkommen ist, desto höher ist auch der entsprechende Anteil zu zahlender Einkommenssteuer.

Doch hier beginnt es nun schon wieder kompliziert zu werden.

Da der Steuersatz gestaffelt ist und zwischen:

  • 14 und 42 Prozent
  • 45 Prozent Spitzensteuersatz

liegt, kann man keine allgemeine Aussage zur eigentlichen Steuerbelastung treffen. Das hat vielfältige Gründe.

  • a) der Grundsteuersatz hat nur bedingte Aussagekraft und gibt nicht die wahre steuerliche Belastung wieder
  • b) weil immer der Grundfreibetrag von aktuell 8.652 Euro abgezogen werden muss
  • c) der jeweilige Steuersatz immer erst ab der Einkommensgrenze für den bestimmten Bereich gilt

Aus diesem Grund können die wenigsten Menschen wirklich von sich behaupten, den höchsten Steuersatz von 42 Prozent beziehungsweise den Spitzensteuersatz auf das gesamte Einkommen zu zahlen.

Spitzensteuersatz-Grenze angehoben

Im Jahr 2016 greift der Spitzensteuersatz von 42 Prozent erst ab einem Einkommen von 53.666 Euro bei Alleinstehenden, bei Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnern ab einem Einkommen von 107.332 Euro. Der dreiprozentige Zuschlag für Reiche gilt erst ab einem Einkommen von 254.447 Euro bei Alleinstehenden und 508.894 Euro bei Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnern.

Durchschnittssteuersatz ist maßgebend

Die wirkliche steuerliche Belastung erfahren Sie durch den Durchschnittssteuersatz. Er errechnet je nach Einkommen aus alle Steuerzonen einen Wert und ermittelt daraus den Durchschnitt.

Mit dem Durchschnittssteuersatz erhalten Sie eine verlässliche Größe Ihrer steuerlichen Belastung, da hier alle Steuerzonen berücksichtigt werden.

Die Steuersätze für 2017 in Deutschland:

  • Steuerfrei: bis 8.652 €
  • 14 – 24 %: von 8.653 € bis 13.669 € (proportional ansteigend)
  • 24 – 42 %: von 13.670 bis 53.665 € (proportional ansteigend)
  • 42 %: von 53.665 € bis 254.446 € (Spitzensteuersatz)
  • 45 %: ab 254.447 € (Reichensteuer)

Beispiel: Ein alleinstehender Arbeitnehmer hat ein zu versteuerndes Brutto-Jahreseinkommen von 53.000 Euro. Nach der Übersicht würde er nach dem Spitzensteuersatz eingegliedert – also mit 42 Prozent, weil er über 53.665 Euro liegt.

Da die Steuersätze sich aber jeweils auf die Einkommensbereiche beziehen, werden nur:

54.000 – 53.665 € = 335 €

mit diesen 42 Prozent belastet.

Tipp zu den MieteinnahmenAuf das gesamte Einkommen angewandt, besitzt dieser Angestellte einen Durchschnittssteuersatz von 26,45 Prozent und muss insgesamt 14.285 Euro an den Fiskus abführen. Das liegt dann doch um Einiges unter den avisierten Spitzensteuersatz.

ACHTUNG:

Bei diesen Berechnungen und Werte sind die Abzüge für außergewöhnliche Belastungen wie zum Beispiel Werbungskosten noch nicht mit einbezogen. Sie können das Ergebnis noch deutlich verändern.

2. Österreich: Steuersätze beim deutschen Nachbarn

Im Österreich gestaltet sich die Berechnung der Einkommenssteuer etwas anders. Zugrunde liegen allerdings auch ganz andere Werte. Ab dem Jahr 2016 wurden die Tarifstufen neu geregelt und die Steuersätze gesenkt. Der Eingangssteuersatz von 36,5 Prozent wurde auf 25 Prozent abgesenkt. Alle Steuerzahler sollen dadurch entlastet werden, unabhängig davon, in welcher Progressionsstufe sie sich befinden. Anstelle der bisher geltenden 3 Tarifstufen (36,5 Prozent, 43,21 Prozent und 50 Prozent) gibt es künftig 6 Tarifstufen. Für Einkommensanteile über 1 Million Euro pro Jahr kommt zeitlich befristet für die Jahre 2016 bis 2020 ein höherer Steuersatz von 55 Prozent zur Anwendung.

So beträgt das steuerfreie Einkommen (Existenzminimum) hier für:

  • aktive Arbeitnehmer / innen: 12.600 Euro
  • allgemein: 11.000 Euro

Erst beim Übersteigen dieses Betrages muss man Steuern zahlen. Daraus ergibt sich schon einmal eine Differenz zu Deutschland von 2.348 Euro.

  • Steuerfrei: bis 11.000/12.600 €
  • 25 %: über 11.000/12.600 € bis 18.000 € (Grenzsteuersatz), für Pensionisten ist der Grenzsteuersatz in den Einschleifbereichen des Pensionistenabsetzbetrages oder des erhöhten Pensionistenabsetzbetrages höher
  • 35 %: über 18.000 € bis 31.000 € (Grenzsteuersatz), für Pensionisten ist der Grenzsteuersatz in den Einschleifbereichen des Pensionistenabsetzbetrages oder des erhöhten Pensionistenabsetzbetrages höher
  • 42 %: über 31.000 € bis 60.000 € (Grenzsteuersatz)
  • 48 %: über 60.000 € bis 90.000 € (Grenzsteuersatz)
  • 50 %: über 90.000 € bis 1.000.000 € (Grenzsteuersatz)
  • 55 %: über 1.000.000 € (Spitzensteuersatz), befristet bis zum Jahr 2020, danach 50 %.

Wichtige Information zu den MieteinnahmenAllerdings gilt es auch hier zu beachten, dass die relevante steuerliche Belastung aufgrund dieser Einteilung und dem Abzug des Existenzminimums meistens deutlich geringer ist.

Es gibt für jeden Steuersatz eine angepasste Formel, mit welcher der eigentliche Steuersatz berechnet werden kann.

Diese lautet:

  • STUFE 1: 11.000 € bis 18.000 €: (Einkommen – 11000) x 5750 / 7000
  • STUFE 2: über 18.000 € bis 31.000 €: (Einkommen – 18000) x 4550 / 13000 1750
  • STUFE 3: über 31.000 € bis 60.000 €: (Einkommen – 31000) x 12180 / 29000 +
    6300
  • STUFE 4: über 60.000 € bis 90.000 €: (Einkommen – 60000) x 14440 / 30000 +
    18480
  • STUFE 5: über 90.000 € bis 1.000.000 €: (Einkommen – 90000) x 455000 / 910000 +
    32.880
  • STUFE 6: ab 1.000.000 € (Einkommen – 1000000) x 0,55 + 487880

Die Formeln muten verwirrend an, sollen aber auf diese Weise ein gerechte steuerliche Verteilung gewährleisten. Verwenden wir nun zur genaueren Betrachtung zum Vergleich das Beispiel aus Deutschland.

Beispiel:

Ein alleinstehender Arbeitnehmer hat ein zu versteuerndes Brutto-Jahreseinkommen von 53.000 Euro. Nach der Übersicht würde er nach Grenzsteuersatz der Stufe 3 eingegliedert – also mit 42 Prozent, weil er über 31.000 Euro aber unter 60.000 Euro liegt.

Nun kommt die Formel zum Tragen:

(53000 – 31000) x 12180 / 29000 + 6300 = 15.540 Euro

Auf das gesamte Einkommen angewandt, besitzt dieser Angestellte einen Steuersatz von 29,32 Prozent und muss insgesamt 15.540 Euro an den Fiskus abführen.

3. Schweiz: Steuersätze in der Schweiz

Bei den Eidgenossen, oftmals als Steuerparadies bezeichnet, gestaltetet sich die Besteuerung etwas komplizierter.

So werden die Steuern von den einzelnen Kantonen und Gemeinde selbstständig festgelegt. Sie können daher stark variieren.

Zu den beiden erhobenen Steuern gehören die:

  • Gemeindesteuer
  • Bundessteuer (max. 11,5 Prozent ab 843.000 CHF, für Verheiratete)

Hinweis zu den MieteinnahmenEin direkter Vergleich mit Deutschland und Österreich ist also nicht möglich. Zudem erfolgt hier die Berechnung noch auf Basis der eigenen Währung – Schweizer Franken (CHF).

Zugrunde liegt aber immer das sogenannte steuerbare Einkommen und das Vermögen.

Hier ein Beispiel für Bottighofen:

  • Zu versteuerndes Einkommen (steuerbares Einkommen): 100.000 CHF
  • Vermögen: 500.000 CHF
  • Kantons- und Gemeindesteuer: 16.896 CHF
  • Bundessteuer: 2.171 CHF
  • Gesamtsteuersatz (mit Vermögen): 19,1 Prozent

Die Besteuerung erfolgt auf das steuerbare Einkommen von 100.000 CHF.

Die Bundessteuer steigt in der Schweiz ähnlich wie in Deutschland progressiv zum Einkommen bis zu einem Spitzensteuersatz von 11,5 Prozent.